31. März 2010

Pressemitteilung

Saisoneröffnung im Gasteigerhaus

Neuer Balkon, neue Ausstellung – Aquarelle von Mathias Gasteiger erstmals zu sehen


Ab dem 1. April öffnet das Künstlerhaus Gasteiger am Ammersee wieder seine Türen. Zum Start in die Saison stellt die Bayerische Schlösserverwaltung eine neue Sonderausstellung mit Aquarellen aus dem Nachlass des Bildhauers Mathias Gasteiger vor. Auch am Äußeren des Hauses hat sich etwas getan: Der Balkon musste wegen schwerer Schäden komplett erneuert werden.

"Aquarelle. Entwürfe für Figuren aus Stein" heißt die Sonderausstellung, die vom 4. April bis zum 31. Oktober 2010 im Künstlerhaus gezeigt wird. Die über 50 Tuschezeichnungen stammen aus dem Nachlass des Bildhauers. Einige Aquarelle Gasteigers wurden von den Graphikrestauratoren der Bayerischen Schlösserverwaltung für die Ausstellung gereinigt und können der Öffentlichkeit jetzt erstmals vorgestellt werden.

Bild: Skizze zu einer FigurengruppeBevor Mathias Gasteiger mit dem Meißel arbeitete und  Einzelfiguren und Figurengruppen aus den Steinblöcken freilegte, schuf er Skizzen und Entwürfe, mit denen er seine Kompositionen zunächst auf Papier entwickelte. Andere Tuschezeichnungen dienten nicht zur Vorbereitung einer Figur, sondern als Motivvorlage für den Kunden. Gerade bei Grab- und Denkmälern war es wichtig, dass der Kunde zwischen verschiedenen Beispielen auswählen und sein bevorzugtes Motiv beim Künstler in Auftrag geben konnte. Aus diesem Grund hat Gasteiger viele Tuschezeichnungen bildmäßig ausgeführt.


Aquarelle als Studie und Verkaufsvorlage

Auch die kräftigen Farbkontraste sollten zur Verkaufsförderung beitragen. Die Grabmäler in hellen Steinfarben kontrastieren mit dem dunklen Grün der Waldlandschaften und rücken sie in den Blick.

Außerdem boten klare Kontraste Vorteile bei der Reproduktions-Fotografie: Bei der Übertragung der Farben in das Schwarz-Weiß der Reproduktionen war es hilfreich, wenn sich das Hauptmotiv markant absetzte. Gasteiger hatte zahlreiche Tuschezeichnungen fotografisch reproduzieren lassen und eine Vorbildsammlung erstellt, die man dem Kunden wie einen Katalog vorgelegen konnte.

Die Sonderausstellung zeigt überwiegend Aquarelle, aber auch einige der fotografischen Reproduktionen. Die Mehrzahl der Exponate entstand zwischen 1905 und den frühen 1920er Jahren. Aus konservatorischen Gründen erfolgt die Präsentation in vier Szenenwechseln mit jeweils 8-10 Einzelblättern.


Maroder Balkon: Das Zerstörungswerk von Pilz und Ameisen

Im Frühjahr 2009 wurde am Balkon des Gasteiger-Hauses ein gravierender Holzschädlingsbefall entdeckt. Aus Fugen in den Balken drangen die Fruchtkörper des weißen Porenschwammes. Das ist ein gefährlicher holzzerstörender Pilz, der die sogenannte Braunfäule verursacht. Bei der Abnahme der Bretter und genauen Inspektion der tragenden Hölzer zeigte sich außerdem, dass die Balken und der Unterzug stark angefault waren. Schuld ist Wasser, das über die Jahre von oben eingedrungen und nicht mehr richtig abgetrocknet war. Aber nicht nur der Schwamm hat starke Zerstörungen verursacht, sondern auch Ameisen, die sich durch das Holz gefressen hatten.

Der Unterzug musste komplett erneuert werden. Er war seit der Erbauungszeit relativ schwach dimensioniert und wurde den heutigen Anforderungen angepasst, um die Nutzung des Balkons uneingeschränkt weiter zulassen zu können. Jetzt verstärkt eine Stahleinlage den Balkon, ohne seine äußere Erscheinung (Bauhöhe) zu verändern.


Vorbeugung von Wasserschäden

Alle geschwächten Stichbalken wurden ausgetauscht. Das war weitgehend unproblematisch, da sie an der Mauer auf den Balken aufliegen, die aus dem Gebäudeinneren auskragen. Nur bei einem Balken wurde es heikel: Dort setzte sich der Pilzbefall bis in die Bauernstube fort. Aber es gelang, den maroden Bereich stirnseitig von außen auszufräsen und den neuen Stichbalken einzuschieben, ohne die Decke zu öffnen.

Auch die stark angegriffenen Verschalungen und das Geländer wurden nach dem überlieferten Erscheinungsbild instandgesetzt. Im Detail achtete man besonders auf den konstruktiven Holzschutz: Nirgends soll Wasser länger stehen bleiben, sondern ablaufen und rasch abtrocknen, um künftiger Fäulnis vorzubeugen. Insgesamt mussten rund 15.000 Euro zum Substanzerhalt am Baudenkmal aufgewendet werden.

Weitere Arbeiten fanden am schmiedeisernen "Gartentürl" statt. Das restaurierungsbedürftige Tor wurde mit diversen Schweiß- und Malerarbeiten hergerichtet und in frischem Glanz wieder diebstahlsicher eingebaut.

Der Bildhauer Mathias Gasteiger (1871-1934) gehörte zu den namhaften Münchner Künstlern um 1900. Er war mit Anna Sophie Gasteiger  verheiratet, die sich vor allem als Blumenmalerin einen Namen machte.  Der von 1902 bis 1913 am Ammerseeufer entstandene Künstlersitz mit  Landschaftspark, Wohnhaus und umgebendem Bauerngarten sowie Wirtschaftsgebäuden ist ein einzigartiges Ensemble des Münchner Jugendstils. Das Künstlerhaus beherbergt außerdem eine Auswahl von Skulpturen und Gemälden des Künstlerpaares.


Öffnungszeiten:
Vom 4. April bis zum 31. Oktober 2010 jeweils sonntags zwischen 14.00 und 17.00 Uhr und nach Vereinbarung

Eintritt:
regulär 3,- Euro, ermäßigt 2,- Euro

Informationen:
Bayerische Schlösserverwaltung / Außenstelle Ammersee
Landsbergerstraße 81
82266 Inning / Stegen
Telefon (08 43) 93 04-0
seeverwaltung.ammersee@bsv.bayern.de


Presse-Informationen:
Dr. Jan Björn Potthast
Pressesprecher der Bayerischen Schlösserverwaltung
Telefon (0 89) 1 79 08-160, Fax (0 89) 1 79 08-190
presse@bsv.bayern.de


Pressemitteilung 31. März 2010

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