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Tapeziererwerkstatt

Bild: Tapezierwerkstatt

 

Die Tapeziererwerkstatt kann auf eine sehr lange Tradition zurückblicken. Bereits um 1880 traten die ersten Tapezierer in einer eigens eingerichteten Werkstatt ihren Dienst in der königlichen Verwaltung des Hauses Wittelsbach an. Damals statteten sie die Räumlichkeiten von Residenzen, Schlössern und Anwesen des Herrscherhauses in vielfältiger Weise mit Textilen aus. Die Tapezierer entfalteten Kreativität und handwerkliches Geschick nicht nur in der Gestaltung von Räumen mit Wandbespannungen und aufwändigen Vorhängen und Dekorationen. Ein großer Teil ihrer Arbeit galt Polstermöbeln, Tabourets und Stühlen bis hin zu Sesseln, Prunkmöbeln und Paradebetten, deren Polster überarbeitet und Stoffbezüge erneuert wurden.

Eine Besonderheit der Arbeiten in der Tapeziererwerkstatt war die Übertragung kostbarer Reliefstickereien von unrettbar zerschlissenen Stoffen auf neue Trägergewebe. Herausragende Beispiele dafür sind die textilen Ausstattungen eines Schlafzimmers im König Ludwig II.-Museum auf Herrenchiemsee und der Thronbaldachin im Königsbau der Münchner Residenz.

 

Bild: Mitarbeiter bei der Arbeit

Im Bewusstsein der Tradition und im Respekt vor den großen handwerklichen Leistungen der damaligen Zeit wird in der Tapeziererwerkstatt der Schlösserverwaltung auch heute noch klassisch gepolstert. Das bedeutet, es wird in allen Arbeitsschritten nach historischen Verfahren gearbeitet. Soweit wie möglich werden dabei die originalen Materialien der Polster wiederverwendet. Als Bezüge der Polstermöbel werden die restaurierten Stoffe wieder aufgebracht.

Wenn die Originale auch durch eine Restaurierung nicht mehr zu erhalten sind, werden Vorhänge, Dekorationen an Fenstern und Wandbekleidungen nach ihren historischen Vorbildern rekonstruiert. Auch hier wird viel Wert auf die Anwendung überlieferter Techniken gelegt, mit denen die Textilien gefüttert und gerafft werden. Wie schon in früheren Jahrhunderten werden viele Nähte mit Handstichen ausgeführt, um den typischen Charakter eines von Hand genähten Textils zu erzielen.

Um die Originale vor äußeren Einflüssen wie Licht- und UV-Bestrahlung zu schützen, gehört es heute zunehmend zu den Aufgaben der Tapeziererwerkstatt, Lichtschutzvorhänge zu fertigen. Das stellt mitunter eine besondere Herausforderung dar, denn diese sollen sich möglichst harmonisch in das jeweilige Ambiente einer Schlossausstattung einfügen. Je nach Fenster und konkreter Raumsituation müssen ganz individuelle Lösungen dafür erarbeitet werden. Dabei werden in enger Abstimmung mit den Textilrestauratoren und dem Fachgebiet Präventive Konservierung des Restaurierungszentrums neueste Erkenntnisse berücksichtigt und moderne Materialien, wie beispielsweise UV-Schutzfolien, verarbeitet.

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